Die Musik grandios neu erleben (Thomas Göttinger MZ)

Wunderbare Klanggemälde bei „Brass on Grass“

REGENSBURG

Es gibt gute Gründe, warum der Mensch in geschlossenen Räumen musiziert. Das Wetter zum Beispiel. Die Akustik. Und natürlich die Abwesenheit von Ungeziefer in den allermeisten Konzertsälen dieser Welt. Andererseits zieht es den Menschen jeden Sommer hinaus in die Natur, um unter widrigsten Umständen Musik zu erleben. Gediegenes Ambiente weicht dann dem freien Himmel, und statt auf noblem Parkett oder Steinfußboden, finden sich die Füße im Gras wieder.

„Brass on Grass“ war denn auch am Samstag das dritte Konzert des „Regensburger Kulturfestes“ überschrieben. Man durfte das durchaus wörtlich verstehen. Trotz der imposanten und nahezu vollständig gefüllten Tribüne, zogen es unzählige Besucher nämlich vor, sich auf dem Rasen im Park niederzulassen und den Musikgenuss gleich noch mit einem kleinen Picknick zu kombinieren. Und auch „Blech“ hatten die beiden Ensembles des Abends – die „Jugendblasorchester Sankt Konrad“ und die „Bläserphilharmonie Regensburg“ – reichlich zu bieten, wenn auch stets ergänzt durch elegantes Holz.

Schon erstaunlich, mit welch rundem Gesamtklang, mit welcher Akkuratesse und Spielfreude sich da etwa das Jugendblasorchester unter der Leitung von Stephan Nürnberger auf eine kleine musikalische Weltreise durch die Weiten der sinfonischen Blasmusik bis hin zu einem Medley mit Lionel-Richie-Songs begab. Der Höhepunkt war zweifellos die kleine sinfonische Dichtung „In 80 Tagen um die Welt“ nach dem Roman von Jules Verne, die Otto M. Schwarz geschaffen hat. Da tröteten Elefanten und heulten Apachen, entstand ein klangfarbenreiches Gemälde, das die jungen Musiker – Durchschnittsalter: 17 Jahre – mit beeindruckender Stringenz an das den lauen Sommerabend genießende Publikum brachten.

Nach der Pause überzeugte die „Bläserphilharmonie“ unter Jörg Seggelke mit einer Beweglichkeit und einer dynamisch ungemein differenzierten Klangsprache, die einen schlicht vergessen ließ, dass hier großorchestral ohne Geigen gespielt wurde. Tschaikowskys „Ouvertüre solenelle 1812“, um nur ein Beisopiel zu nennen, erfreute mit subtil ausgearbeiteten Nuancen, mit grandios geschmeidigem Spiel und nicht zuletzt auch mit dem gehörigen musikalischen Biss – Böllerschüsse inklusive.

Wie gesagt, es gibt gute Gründe, warum der Mensch in der Regel in geschlossenen Räumen musiziert. Manchmal aber tut er gut daran, diese zu verlassen und Musik, wie an diesemAbend, grandios neu zu erleben.

Bericht aus der Mittelbayerischen Zeitung vom 04. Juli von Thomas Göttinger.

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