Beifallsstürme beim Jubiläumskonzert (Hans Scherrer, MZ)

Das Jugendblasorchester St. Konrad begeisterte im voll besetzten Audimax der Universität. Die Schirmherrschaft hatte Bischof Voderholzer übernommen.

Stadtnorden. So mancher Künstler von Weltrang musste sich schon mit weniger Zuhörern im Audimax der Universität begnügen. Doch beim traditionellen Herbstkonzert des Jugendblasorchesters St. Konrad war das Haus ausverkauft. Auf das Publikum im Stadtnorden ist eben Verlass. Zumal das Orchester heuer sein 35-jähriges Bestehen feiern kann. Und deshalb hatte Bischof Rudolf Voderholzer die Schirmherrschaft übernommen. Allerdings konnter er wegen eines wichtigen Termins nicht selber das Konzert hören. Als sein Vertreter war Caritasdirektor Dr. Roland Batz gekommen und bescheinigte dem Orchester, "zu einem der wichtigen Kulturträger unserer Stadt geworden" zu sein, das "neben hohen musikalischen Ansprüchen auch wichtige soziale Funktionen" erfülle.

Ausdrucksstarkes Klarinettensolo.

Die ganz hohen musikalischen Ansprüche konnte das "Nachwuchsorchester", das den Abend unter der Leitung von Florian Herzog eröffnete, erwartungsgemäß noch nicht erfüllen. Wacker mühten sich die "Minis" mit zwei Arrangements aus der Filmmusik - eine Auswahl aus dem "König der Löwen" von Elton John und die Titelmelodie von "The Simpsons". Doch kam dann doch noch die angenehme Überraschung: Mit "Irish Dream", einer Komposition von Kurt Gäble, die eigens für Blasorchester geschrieben wurde, ließ der Nachwuchs aufhorchen. Jetzt hatte man sich offenbar gefangen, wie das kompakte Zusammenspiel zeigte. Nun war auch die Anfangsnervosität gewichen. Selbstbewusst spielten die Jungmusiker als Zugabe den Marsch "San Angelo".

Dann war die Bühne frei für die 75 Musiker des Großen Orchesters. Als Opening hatte Dirigent Michael Schaefer, der zugleich seinen Einstand als musikalischer Leiter des JBO gab, den Marsch "The Washington Post" gewählt, eine Komposition von John Philip Sousa, dem amerikanischen Marschkönig, wie Moderator Thomas Thurow anmerkte. Weil dieses Stück (wie alle Sousa-Märsche) im Gegensatz zu den meisten deutschen Märschen im 6/8tel-Takt geschrieben ist, zeigt es eine rhythmische Nähe zum Swing und wirkt somit lockerer. Und so wie es das Orchester gespielt hat braucht es den Vergleich mit einer Militärkapelle nicht zu scheuen.

Anspruchsvoll zu spielen und perfekt vorgetragen war auch das nächte Stück: die Schnellpolka "Unter Donner und Blitz" von Walzerkönig Johann Strauß (Sohn). Mit "Irish Castle", einer Rhapsody for Concert Band aus der Feder von Markus Götz, lieferte das Orchester eine Meisterleistung ab. Mehr als acht Minuten lang führte diese Komposition durch Takt-, Rhythmus- und Tempowechsel; das Orchester brillierte durch kompaktes Zusammenspiel, Intonationsreinheit und ausgefeilte Dynamik. und Lisa Gehlich bestach als Solistin mit einem ausdrucksvollen und sehr warmen Klarinettenton.

Eine Hommage an Ennio Morricone

Mit dem Graf Zeppelin Marsch von Carl Teike (noch ein Marschkönig) verabschiedete sich das Orchester in die Pause. Beeindruckend waren hier insbesondere die Tenorhörner, die auch die schwierige hohe Lage im Trio mit weichem cantilenen Spiel anscheinend mühelos beherrschten.

Der zweite Teil gehört traditionell den zeitgenössischen Kompositionen. Als "Rock Opening" verfremdet kam das Werk von Richard Strauss "Also sprach Zarathustra" zu Gehör in einem Arrangement von Manfred Schneider, einem Komponisten und Arrangeur, den Dirigent Schaefer noch aus gemeinsamen Zeiten beim Heeresmusikkorps kennt. Und schließlich nahm das Orchester sein Publikum mit auf eine illusorische Bahnreise mit der North Pacific Rail Road durch den amerikanischen Bundesstaat "Oregon", wie auch der holländische Komponist Jacob de Haan sein Werk betitelte. Es war eine sinfonische Dichtung, die den Musikern wiederum großes Können abverlangte. Auch hier enttäuschte das Orchester nicht.

"Spiel mir das Lied vom Tod" und "Zwei glorreiche Halunken" sind Filmmelodien von Ennio Morricone und stehen für Spaghettiwestern, die längst Kult sind. Mit seiner Interpretation dieser Klassiker wusste das JBO ein Gänsehautfeeling zu erzeugen. Und dass ein Blasorchester auch rocken kann, wurde bei einem Medley von vier Queen-Songs überzeugend unter Beweis gestellt. Den offiziellen Abschluss bildeten drei Welthits von Tom Jones ("Help Yourself" und "Delilah") und Neil Diamond ("Song Sung Blue"). Und einen echten Knaller landete die Posaunenriege mit der Zugabe "Lassus Trombone", einer Jazzkomposition von Herny Fillmore, als die sechs Musiker von der Galerie herunter in wahrer Tailgate-Manier knackige Dixieland-Slides hören ließen.

Kein Wunder, dass das Publikum stehend applaudierte.

Bericht aus der Mittelbayerischen Zeitung vom 25. November von Hans Scherrer.

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